English |  Deutsch |  Français |  Italiano |  Español
Archives historiques - 
Recherche:

Utilisez le signe + pour séparer les mots.
Période: Jour Mois Année Jour Mois Année
De 19
A 19
 
Filtrer les résultats: Emission Langue
Chroniques politiques et culturelles (CP) - 02 JAN 1943 - Allemand
     [CP-1943-00-02-DE]


Télécharger les fichiers

Aperçu rapide de l'OCR:
He Neutralität - eine Verpflichtung,
Wir Schweiger schreiben und reden nicht gerne über die Neu-,
tralität unseres Landes, Man scheut sich eben, etwas Wichtiges
immer wieder in die Diskus ion zu ziehen, Wir nehmen die
Neutralität so ernst und suchen sie so gewissenhaft zu er-,
füllen, dass wir befürchten, es geschehe Ihr, durch ein Zuvieldes
Zerredens Abbruch, am werden wir aber gezwungen, aus
dieser Zurückhaltung heraus zutreten. Immer wieder müssen wir
nämlich feststellen, dass das Ausland über unsere Neutralität
im Grunde genommen nicht nur wenig weiss, sondern sie eben
doch völlig falsch, Ja entstellt beurteilt.
Für heute wollen wir uns einmal nicht theoretisch
über die schweizerische Neutralität unterhalten, also kein
Wort weiter verlieren über ihre Herkunft und ihr geschichtliches
Werden, Dazu ist nachgerade genug gesagt und geschrieben
worden. Auch über die sogenannte "aktive Neutralität" - also
über den Helferwillen den Kriegführenden gegenüber sei kein
Wort verloren. Es könnte zu sehr nach einem unangebrachten
Sich-rühmen-wollen aus ehen, agegen sei einmal dargelegt,
was es eigentlich praktisch bedeuten will, wenn ein kleines
Volk seine Neutralität als eine Verpflichtung ansieht. Es sei
dargelegt, wie die Pflichten und Leistungen beschaffen sind,
die der Neutrale auf sich nimmt, der keinen verhudelten und
durchlöcherten Neutralitätsbegriff will, sondern eben eine
Neutralität als Verpflichtung,
Die schweizerische eutralität ist ein Versprechen,
den übrigen Völkern abgegeben, sich nie in ihre Händel einzumischen
und sich mit keiner Seite zu verfeinden,- es sei
denn um der eigenen nationalen Ehre willen- wenn sie sich
gegenseitig mit Krieg überziehen. Die Völker haben dieses
Versprechen ernst genommen. Es verpflichtete uns, alles zu tun
um ihm ach achtung zu verschaffen.
Wir tun das in erster Linie durch die bewaffnete Neutralität,
In dieser Wachsamkeit haben wir nie nachgelassen, nicht
während der allgemeinen Militärmüdigkeit nach dem ersten Welte
krieg, nicht währnd der vier Jahre des heutigen Krieges, Das,
ständige Aufgebet von Teilen unserer Armee verschlingt gewaltige
Su en an Geld, bedeutet ein immer neues Opfer an Zeit
und Leistung für die Wehrfähigen, ist eine grosse Betastung
für ein kleines Volk. Jeder wehrfähige Schweizer lebt so
seit vier Jahren ein Dasein das zum Teil dem Beruf zum Teil
dem Heeresdienst gewidmet ist0 obgleich wir vom unmittelbaren
Kriegselend verschont geblieben sind. Dieses Qpfé$ wird von
den Milizen aller Grade und des verschiedensten, sozialen
erkommens ohne Murren gebracht, ¿eder ist entschlossen, als
Sodat seinen Mann gegen jeden Eindringling zu stehen, möge
er kommen woher enoolle, ûas ist es, was diesen geschlossenen
Ueist herausgebildet hat, der ein Merkmal der eidgenössischen
Aufgebote in diesem Aktivdienst bildet,
&as schwierigste Problem dieser Neutral itätswacht bildet
die Sicherung des Luftraumes, Wenn der Luftkrieg schon für
die Kriegführenden eine Sorge ist, warum soll er es nicht für
den kleinen Neutralen sein ? Seit Beg1nn des Kriegs ist der
schweizerische Luftraum und damit die schweizerische Neutr lität
von der Luftwaffe beider Parteien wiederholt verletzt worden,
imm unsere Flab und unsere Flieger haben sich gegen beide
Gruen von erletzern mit jrntschiedenheit zur Wehr
gesetzt. Schwerste Bomber sind von unserer Luftabwehr abgeschossen
worden, as war nicht immer einfach; die fremden
Flieger kommen Ja von weither und , bevor sie unsere Grenzen
verletzen, überfliegen aie weite, andere Räume, Uns kümmert
nur, was unsere Pflicht ist, und diese erfüllen wir, mit dem
Einsatz von enschenleben. Nur aus dem Willen, alles zu ti
um die Neutralität nach allen Seiten streng zu wahren, verdunkeln
wir nachts unsere Darfer und Städte: kein Angreifer
sollaus der erleuchteten Schweiz Nutzen ziehen,
. Soweit die materielle Aeutralitätsvorsorge. Es gibt
auch - was dem Ausland immer nocq zu ioe n& bekannt ist - eine
geistige. Unsere eitungsschreiber müssen sich eine aeserve
auferlegen, Sie berichten nur Jene Dinge, die als verbürgt
gelten dürfen. Vom ganzen, grossên Strom von Meldungen, der
auf hundert nicht abgerissenen Verbindungen in alle Länder
in unser Land fliesst, bringen die schweizerischen Blätter
einen kleinen Ausschnitt, enn nißhts widerstrebt und so sbhr,
wie zurechtgemachte Propaganda, Vergehen gegen die Neutralität
ist bei uns sin strafwürdiges Delikt,
Wir erkennen: Neutralität ist keine Formsache und
bequeme Maxime, die den Einzelnen unberührt lässt, ste 2 ödeu*
et VerpflicJitung, Das Schweizervolk tut das ihm überhaupt
mögliche, diese Verpflichtung getreu zu erfüllest.
v.1.09