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Chroniques politiques et culturelles (CP) - 07 JAN 1943 - Allemand
     [CP-1943-00-07-DE]


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Die heiligen W a s s e r.
Während der paar Monate Militärdienst, die ich im Wallis leistete
hatte ich Gelegenheit, diesen jüngsten lAndesteil der Schweiz
kennenzulernen. Dem Reisenden, der im brausenden Kaépresszug durto.
dsys Hochtal fährt, fällt die ausserordentlich eFruchtbarkeit des
Bodens auf. Auf der Talsohle reihen sich Kernobst- ffiBsich- und
Aprikosenhaine in saftiger ü'üile, wahrenden den sonnigen aängen
windgeschützten Hängen die weisse Weintraube ihre Ranken zient.
Dazwischen reihen sich in bunter unregelmässigkeit wogende, gola
far dene Kornfelder, ueber allem lacht die sonne am ewigblauen
Himmel, "jfiin land, wo milch und Honig" denkt der fremde Wanderer
Auch ich glaubte das, bis icn von der einheimischen Bevölkerung
eines besseren belehrt wurde, bis ich mit eigenen Augen den
Kampf des Bauern um die Fruchtbarkeit seines -Bodens erlebte.
Das Wallis ist ein uraltes riesiges Gietschertal, das vom Hnonegietneuer
ausgefressen wurde. Infolgedessen besteht sein Boden
vorwiegend aus Moränen, seine Hänge aus überaus fruchtbaren Handmoränen.
Aber was nutzt der beste Hoden, wenn die periodische Bewässerung
fenlt? was hilft dem Hauer der saftigste Keimling,
wenn er, kaum der Erde entsprossen in der glühenden bonne verdurstet
und verdorrt? Das ¿»eben des Walliser Hauern stellt also
einen stetigen ¿Kampf um das köstliche uass dar. Vor langer zeit
senon wurde di eser Kampf organisiert. Auf der Talsohle wurden
fausende von Kanälen gebaut, die bon dem nauptfluss Hnone aus
das j-and dur chziehen und gleich dem Adernetz im menschlichen
Körper Aebeh und Frucht spenden. An den Talhängen hingegen gestaltete
sich dieser Kanalbau nicht so einfach, den der tfels
der, das l'ai umsäumenden Bergketten, ist so hart, dass auch der
wildeste Bach sich kein nett zu spühlen vermöchte. Und doch ist
gerade da, wo die ärmere .Bevölkerung lebt, das Wasser eminent
-.vientig, soll die ¿raube nicht sterben und der Acker nicht austrocknen.
So entstand denn da ein .Bewässerungssystem, das wohl m
in der SskXKkauuK Welt einzig dasteht. Ss wurden nämlich unzählige
.Baumstämme ausgehöhlt und aneinandergefügt. Mittelst dieser
originellen .Leitung wird das Wasser hoch oben in den .Bergen gefasst
und den steilen Felswänden nach in íLulturlandgebracht.
Auf der einen Seite dieser Wasserleitungen sind schmale starke
Bretter angebracht. Sie dienen dem .Bauer als Weg, wenn ein vlied
der jueitung ausgewechselt werden muss, weil es durch Faulen des
noizes oder durch Steinschlag unbrauchbar geworden ist. Da turnen
die stämmigen Walliserbursehen schwerbeladen fin schwindeinzur
Ausübung ihres Handwerkes
der nohe den Wänden entlang, ¿vein uel'inder schützt sie vor atíux
dem Absturz, ein einziger misstritt bringt sie unweigerlich in
die Arme des Todes. Aber flink und mutig wie die heimische uemse
klettern sie dem Biss (wie diese Wasserleitungen genannt werden)
entlang. Die Biss stehen unter ständiger Kontrolle von eiaam eigens
nierzu bestimmtem Wächter, denn eineeinzige Störung im .oiss
würde der Bevölkerung unermesslichen Schaden bringen. Der uerg-r
ginger, der sich auf die Saumpfade hinaufwagt entdeckt nie und
da unter Reisig verborgen, Stösse von ausgehölten .Baumstämmen, at
die auf Maultieren da hinaufgebracht wurden, um eine möglienst
rasche Auswechslung der Schadhaften -Biss zu ermöglichen.
Die Verteilung des so mühsam zu Tale gebrachten Wassers geschient
nach einem genauen verteilungsplan. Jeder .Bauer Jaat Je
naen urosse seiner Felder das Recht, den Biss kürzere oder längere
Zeit zu beanspruchen, muss demnach auch mehr oder weniger
an die unternaltsicosten des Biss beitragen. An seinem Stichtage
gent der Bauer zum Biss, sperrt auf seinem Boden den Wasser lauf,
indem er eine hölzerene Schleuse in den Biss steckt und so das
Wasser auf seine Felder übertreten lässt. Den ganzen Tag bleibt
er dann auf dem tfeld, um die Jtiewässerung zu überprüfen und von
Zeit zu ¿eit die Schleuse zu versetzen, damit die Verteilung des
köstlichen Elementes möglichst gleicnmässig auf seinen tir und vor
sien geht. ¿ouúsKtefc vielerorts, hauptsächlichda, wo die ¿Machos
ren miteinander auf Kriegsfuss stehen, werden auch des dachtet
Wachen ausgestellt, die sorgsam Verhindern, dass der üiächstberechtigte
zu früh die Schleuse öffnet um das Wasser auf sein SOCK
Grundstück rinnen zu lassen. Im Grossen und Ganzen leben aber
die Walliser friedlich nebeneinander, denn sie ziehen am gleiche
Strang. Die Uebergabe des Wassers, die meist morgens in der ü'rühe
geschieht ist fast ein feierlicher Akt. Mit glänzenden Augen
betrachtet der üeuberechtigte wie das Wasser über seinen üoden
strömt und von diesem gierig aufgesogen wird um sich dann mit sé
nem machbar einem gemütlichen Schwatz hinzugeben. Die heiligen
Wasser haben wieder einmal mehr die Ernte sichergestellt.
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