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Chroniques politiques et culturelles (CP) - 03 JAN 1945 - Allemand
     [CP-1945-00-03-DE]


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Die « fcít téCk Schweiz 7#¿#&¿C¿C
Der Zürcher Essayist Fritz Ern fi hat seinerzeit eine Studie veröffentlicht,
die jetzt in zweiter Auflage erschienen ist und die
den Titel trägt "Helvetia mediatrix", die vermittelnde Schweiz.
Der Verfasser geht darin von der Tatsache der schweizerischen
Dreisprachigkeit aus und zeigt, wie diese Dreisprachigkeit auf
schweizerischem Boden zu einem vielseitigen Austausch zwischen dem
deutschen Kulturhereich mit dem beiden romanischen, dem französischen
und dem italienischen.geführt hat. Nun bedeuten Kriegszeiten
für ajüle VölkerfZeiten der Besinnung. Jene, die in das Gewehehen
hineingerissen-wurden, fragen bange nach dem tiefern Sinn der ungeheuren
Opfer, die sie bringen mussten. Sie möchten einen sichtbaren
Gegenwert erkennen für all*sr das.was ihnen genommen worden ist. Diese
E¿-age nach dem Sinn beschäftigt aber auch die vom Krieg verschon-
ten Völker und Menschen. Viarum wurden gerade sie ausgenommen- wäk
Verpflichtet diese» Verschontsein nicht zu neuen Anstrengungen, a aah
zu Nutzen und Frommen der ganzen Menschheit? Wenn daher jfJêéiÊÊ tfU*&
wieder bescheidene aber auch bestimmte Hinweise auf die kulturell
vermittelnde Bedeutung der Schweiz e -rfolgen, so sind sie als Ausdruck
solcher Besinnung zu werten. Mitten im drohenden, europäischen
Chaos und im sichtbaren Niedergang der abendländischen Kultur und
Kulturverbundenheit bleibt die schlichte Tatsache bestehen, dass **
* auf dem Gebiet der Schweiz die alten Beziehungen [weitergehen und
Da drängt sich filfe die F age auf, ob diese Stellung einer Mittlerin
nur für die kulturelle VHßßgestalt der Eidgenossenschaft Bedeutung
habe. Könnte man in dieser S scheinung nicht s*r einen typi
sehen Wesenszug der Schweiz und des Schweizerturns überhaupt sehen?
Dürften wir also nicht weitergehen und einmal auch die vermittelnde
Schweiz auf politischem, sozialem oder wirtschaftlichem
Gebiet suchen? Wir möchten den Versuch umsomehr wagen, als in einer
Hinsicht die neutrale Schweiz jetzt, in dieser Nachkriegszeit .
sicher a jMittlerin in Europa dastehen wird: N cht nur der letzte
Krieg hat sie verschont, sondern auch der frühere, überhaupt alle,
zurück bis ins napoletonische Zeitalter. So hat sich auf diesem
Stück Europa eine kontinuiereiche Entwicklung abgespielt, wie sie
sonst die Ausnahme bildet und wie sie geeignet sein wird, aus den
Beständen der Tradition dorthin abzugeben, wo die Überlieferung in
viel grösserem Umfang zerstört und unterbrachen worden ist.
Co - Tiàenschen aus ¿en Kriegsgebieéen, die unser Land aufsuchen, fällt
immer sofort die inselhafte Lage auf, in der wir uns befinden.Je
nach Temperament und Einstellung sind sie darob erschüttert, bewegt,
oder einfach verärgert. Bitter stellt mancher Fremde, der unsre Unversehrtheit
mit der innern Zerstörung der eigenen Heimat vergleicht
fest, wir Schweizer seiaa eben doch nur Kriegsgewinnler. Wir bemühen
una, diese Ablehnung zu verstehen, obschon sie gleich ungerecht ist,
wie wenn der Kriegsinvalide aus den ersten Tagen des Kriegs sich
über seinen Kameradâéft beschweren würde, der unverwundet fünf Jahre
im Feld gestanden hat. Nur wenn wir die Gefühle in ihren verachiedensten
AusdrucksfoE«men kennen! wie sie die Menschen aus den Kriegsgebieten
beschäftigen, wird es möglich sein, dass die Schweiz ihre
Mittlerrolle mit jenem Takt und mit jener Zurückhaltung spielt, ohne
die es keine kulturelle Wiedergeburt in Suropa gbgn kann*
Wir werden also im Folgenden versûcheïi, darzutan, wie die bekannte
schweizerische Mittelmässigkeit, die schweizerische Neigung zum
Kompromis in einer Zeit ihren Sinn haben können, in der es gilt, überhaupt
wieder zu Grundlagen zukommen. Wir wagen das vorallem auch
deswegen, weil die grossen, äussern Ereignisse natürlich vor unsern
Grenzen nicht halt gemacht haben, andern weil sie alle in irgend
einer Form auf das neutrale Land zurückwirkten und es verändert
nahen. Vor dem dreissigjährigen Krieg war die Schweizerische
Eidgenossenschaft noch ein Bestandteil des alten deutschen Reiches.
Nach diesem Krieg trennte sie sie sich auch formell-iuristisch von
ihm. Dàe Zerstörungen jenes Kriegs und das römische Herrenrecht,
gegtift das die Eidgnossen sich mit Erfolg gesträubt hatten, besiegelten
für die Länder jenseits des Rheines den endgültigen Durchbruch
des herrschaftliehen Denkens in der Politik, während in der Schweiz,
trotz aller Zeiteinflüsse, alt-volksstaatliches Gut erhalten blieb.
So se-ifâfrauch damals die Kregsverschontheit eine wichtige Tardition
fort und ermöglichte die Ausbildung der ganz bestimmten, politischen
Kultur der Schweiz. Im späteren, regen Austausch hat DeutschlAfcá
dann davon sehr viel gewonnen. Seine literarische Klassik im
18. Jahrhundert wäre ohne die fruchtbare Begegnung mit der Schweiz
undenkbar. Diese Tatsache gibt unâ den Mut, auch Jptot nach Ansätzen
zu einer aktiven Neutralität zu forschen, die versucht, den Sinn
46 tstoiMe¿A éé, der hinter der schweizerischen Bewahrung von Krieg nud
Ïferstörung liegt, die versucht zu zeigen, dass in dieser Zeit, da es
¿jbiM OaUnü neue f politische , sozialeund wirtschaftliche Lösungen geht,
die Schweiz anregend mithelfen kann, weil sie bereits mittlere Lösungen
gefunden hat, die von den Extremen weg, in die Praxis der
Stunde hineinführen. - Wir werden in einer nächtsten Darstellung
über die vermittelnde Schweiz auf politischem Gebiet sprechen.
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